Finnland ist mehr als Pisa

Veröffentlicht am 09.06.2004 in Landespolitik

Der Erfolg der finnischen Gesellschaft hat viele Ursachen – am wichtigsten ist die umfassende Kultur des Miteinander
Seit der PISA-Studie wissen es alle: Das finnische Bildungssystem setzt heute den Maßstab für Europa. Kein Wunder, dass sich das deutsche Interesse an Finnland bislang ausschließlich auf das Bildungssystem des Landes gerichtet hat: „Tolle Schulen – wie machen die das bloß?“ Was dabei übersehen wird: Das „Modell Finnland“ ist weit umfassender.

Wenn wir unser Land Brandenburg in den kommenden Jahrzehnten zu einer Erfolgsgeschichte machen wollen, werden wir kluge Anregungen aufgreifen müssen, wo immer wir sie finden. Auf wegweisende Ideen aus Westdeutschland können wir dabei derzeit kaum hoffen. Das macht das finnische Beispiel für Brandenburg umso spannender. Die Finnen nämlich zeigen, dass dynamische Wirtschaft und moderner Sozialstaat nicht im
Konflikt stehen müssen, sondern sich gegenseitig stärken können. Richtig verstanden ist der finnische Erfolg ein „Gesamtkunstwerk“, bei dem viele gut geölte Räder ineinander greifen. Wie eindrucksvoll das funktioniert, davon habe ich mich Ende Mai zwei Tage lang in Finnland überzeugen können.
In manchem besitzen Finnland und Brandenburg verblüffende Ähnlichkeit: Beide Länder sind dünn besiedelt, weite Landschaften voller Wälder und Seen. Und beide erlebten zu Beginn der neunziger Jahre, nach dem Zusammenbruch ihrer osteuropäischen Wirtschaftspartner, schwere Rückschläge und hohe Arbeitslosigkeit. Seither hat sich die finnische Ökonomie auf eindrucksvolle Weise erholt. Im vergangenen Jahrzehnt haben die Finnen im Durchschnitt 4,5 Prozent Wachstum pro Jahr verbucht: mehr als die USA, deutlich mehr als der EU-Durchschnitt – und sehr viel mehr als wir in Deutschland. Nach dem Maßstab der internationalen Wettbewerbsfähigkeit steht Finnland heute einzigartig da: Vom 25. Rang noch vor zehn Jahren ist das Land auf den ersten Platz in der Welt aufgestiegen – nicht mit Billiglöhnen und billigen Produkten, sondern mit modernsten Technologien und innovativen Erzeugnissen.
Hier führt ein Land vor, dass Erneuerung aus eigener Kraft machbar ist – mit der richtigen strategischen Vision aus gut aufeinander abgestimmten Elementen. Keine Frage, bestmögliche Bildung ist heute eine entscheidende Voraussetzung für gute Arbeitsplätze, die nicht nach China oder Indien abwandern – mit der sechsjährigen gemeinsamen Grundschule haben wir in Brandenburg denselben Kurs eingeschlagen wie die Finnen. Das eigentlich Faszinierende an Finnland ist jedoch, wie es dort gelingt, günstige Wechselwirkungen zwischen guter Bildung und Ausbildung, sozialer Sicherheit und hoher Familienorientierung einerseits sowie wirtschaftlicher und technologischer Innovation andererseits zu organisieren.
Beispiel Nokia: Jeder Zweite hat heute ein Handy der finnischen Erfolgsmarke in der Tasche. Doch noch Ende der achtziger Jahre beschäftigte sich das Unternehmen mit der Herstellung von Gummistiefeln und Toilettenpapier. Nokias Aufstieg an die Spitze der Weltliga basiert auf verschiedenen Faktoren: der Kooperation mit einem innovativen öffentlichen Sektor, einem herausragenden Bildungswesen, qualifizierten Hochschulabsolventen, der Zusammenarbeit mit Forschern an Hochschulen sowie den Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen des Unternehmens selbst.
Heute bereits organisieren die Finnen die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Unternehmen buchstäblich unter einem einzigen Dach: Dozenten und Studenten arbeiten hier nicht nur als Lehrende und Lernende zusammen, sondern zugleich als Unternehmensgründer und Manager. So wird dafür gesorgt, dass aus guten Ideen und Konzepten schnell und ohne unnötige Umwege neue Verfahren, Produkte und Arbeitsplätze werden. Engagement und Einfallsreichtum junger Leute kommen in Finnland der regionalen Wirtschaft direkt zugute – und wo gute Ideen sich durchsetzen können, da müssen Menschen ihr Glück nicht in der Fremde suchen. Das ist vorbildlich für Brandenburg.
Zugleich ist Finnlands Erfolg der beste Beleg dafür, dass es keine Zukunft ohne Herkunft gibt. Die Finnen spielen Vergangenheit und Zukunft nicht gegeneinander aus. Hier betrachtet man die wettbewerbsfähige Wissensgesellschaft als wichtigste Bedingung dafür,
die eigene Identität bewahren zu können. Denn ohne wirtschaftliches Fundament zerfällt irgendwann jede Gesellschaft.
Konkrete Schritte der Erneuerung gelingen am besten in einer umfassenden Kultur der Offenheit und Hinwendung zu Neuem. Das haben die Finnen verstanden – und richten sämtliche Verfahren und Institutionen ihres Landes danach aus. Sicherlich, wir können das in Brandenburg nicht exakt kopieren – der Aufbau Ost seit 1990 hat gezeigt, dass vorgefertigte Blaupausen oft nicht gut funktionieren. Aber wir tun gut daran, uns an den Erfolgsmodellen der Gegenwart zu orientieren.
Besser als viele andere haben die Finnen auch die Bedeutung von Technologie- und Innovationspolitik aus einem Guss erkannt. Bei den öffentlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung ist Finnland heute weltweiter Spitzenreiter. Doch nicht nur, dass die Finnen so intensiv in Innovation investieren, ist bemerkenswert. Noch vorbildlicher ist die Art und Weise, wie sie es tun.
Beispiel Jyväskylä: Potsdams finnische Partnerstadt mit ihren 80.000 Einwohnern hat zur Unterstützung neuer Unternehmen die öffentlich-private Unternehmensförderung Jykes gegründet. Hier wartet man nicht auf Kunden, sondern geht zu ihnen hin. Die Mitarbeiter von Jykes sprechen mit den kleinen und mittleren Unternehmen der Region, fragen nach Sorgen, bieten Hilfe an. Dazu gehört Erfahrung in Management und Marketing, aber auch Unterstützung bei der Erschließung neuer Märkte. Dazu hat Jykes sogar eine eigene Repräsentanz in St. Petersburg eröffnet – einer Stadt mit so vielen Einwohnern wie ganz Finnland. Vertreter arbeiten auch schon in Polen und Ungarn. Hoch interessiert zeigte man sich bei Jykes auch an einer Zusammenarbeit mit Brandenburg.
Überhaupt, die finnische Freude an Kooperation und Teamwork habe ich auf meiner Reise überall intensiv erlebt: in den Schulen und Kitas, in den Universitäten, Unternehmen und den vielen Institutionen, die hier zum Vorteil der ganzen Gesellschaft eng miteinander kooperieren. Auch Brandenburgs Zukunft liegt in der offenen und lernenden Kultur von Innovation und Zusammenarbeit.
Vielleicht ist dies die wichtigste Lehre überhaupt, die wir aus der finnischen Erfahrung ziehen können: „Keiner soll zurückbleiben“, sagen die Finnen. Heute geht es auch für uns darum, wo immer nur möglich Umstände zu schaffen, die allen Beteiligten gemeinsam zugute kommen. „Kinder, vergesst nicht, der eigentliche Sinn des Lebens liegt im Miteinander“, lautete bekanntlich das Lebensmotto Regine Hildebrandts. Es ist im Grunde genau dieses Prinzip, zeitgemäß erneuert für die dynamische Welt des 21. Jahrhunderts, an dem sich die Finnen heute orientieren. Wir in Brandenburg halten uns selbst die Treue, wenn wir von Finnland lernen.

 

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